Donnerstag, 12. Juni 2014

Die letzten zwei Tage...

So schon wieder so viel passiert in den letzten Tagen...
Nach Prom und Kanada stand dann Graduation auf dem Programm. Die begeisterten High School Musical Fans wissen sicher schon wie das ganze ausgesehen haben sollte, aber da hier in Poulsbo nicht ganz so viel los ist, war alles etwas kleiner und weniger aufregend, trotzdem musste ich mir ein Tränchen schon verkneifen, als wir alle in einer Reihe einmarschiert sind und auf unseren Stühlen platzgenommen haben. Gegen fünf haben sich alle Seniors vor der Turnhalle versammelt und es wurden Kärtchen mit unseren Namen verteilt, die wir später dann dem Redner geben mussten, der unseren Namen der Menge vorgelesen hat. Nach einem Gruppenbild in der Gym hatten wir alle etwas Zeit für uns um Bilder mit anderen Senior zu machen oder so wie ich auf meine Schwester zu warten, denn wie immer bei so wichtigen Events, vergisst man irgendetwas und in meinem Fall war es der Tassel, den man von der rechten Seite der Cap auf die linke Seite der Cap wechselt, wenn man graduaded. Allison war so lieb und ist noch einmal schnell nach Hause geflitzt und hatte ihn mir geholt. Danach lief dann alles reibungslos und wir haben uns alle in einer Reihe aufgestellt und sind ins Stadium einmarschiert. Nachdem der Schulleiter und andere wichtige Personen ihre Reden gehalten hatten und Mr. Miller uns allen noch einmal mitgeteilt hatte, wie sehr er Kinder und vor allem Freshman doch verabscheut, war der große Moment dann endlich gekommen. Unsere Namen wurden der Reihe nach aufgerufen und wir konnten unser Diploma, was sich später als leerer Umschlag entpuppte, vom Schulleiter Miller entgegennehmen. Nach der Zeremonie wurde dann für etwa eine Stunde Bilder mit Familie und Freunden gemacht und dann ging es auch schon los zur grad Night. Das ist eine, von Eltern organisierte Party, die direkt nach Graduation statt findet, dass keiner etwas dummes anstellt und erst trinkt und dann noch fährt oder sonst etwas dummes anstellt. Wo und was stattfindet soll eigentlich bis zur Ankunft ein Geheimnis bleiben, aber eine Schülerin hat die Überraschung mit einem Facebook- Post ruiniert. Ich wusste allerdings schon vorher wo es hingeht und war daher nicht allzu enttäuscht. Nach der Ankunft gab es erst Pasta und dann konnten wir schwimmen gehen, Laser Tag spielen oder in großen Gummibällen durch die Gegend rollen. Auch, wenn es am Anfang nach einer Menge Spaß anhört, war es doch etwas langweilig, wenn man nicht schwimmen gehen konnte, weil viele nicht wussten, dass sie Badesachen mitnehmen sollten... Gegen halb zwei ging es dann bowlen für die nächsten drei Stunden, was nach vier Durchgängen aber auch an Interesse verlor. Zum Glück gab es dann Pizza und wir hatten eine kurze Pause bevor wir tanzen gehen konnten/ mussten. Morgens um vier gab es dann erst Frühstück und dann kam ein Hypnotiseur, der uns eine Show vorgeführt hat. Wir waren alle super müde und viele lagen nur noch auf den Stühlen und wollten nach Hause in ihr Bett. Um sechs, ja sechs Uhr morgens ging es dann endlich in den Bus und nach Hause und um sieben war ich dann endlich im Bett und habe einen neuen Rekord im Schlafen aufgestellt, denn ich habe bis nachmittags um sechs gar nicht von meiner Umgebung mitbekommen und tief und fest in meinem Bettchen geschlummert :D Danach ging es dann zu einer Freundin und an den Strand für ein Lagerfeuer, was mir erst einmal schön die weißen Schuhe versaut hat, die dann allerdings durch Bleichmittel und einen Waschgang wieder wie neu aussahen :D
Die Woche habe ich viel mit Freunden unternommen und am Montag waren Janet, Allison, Lian und ich noch in Seattle beim Space Needle und haben dort erst Mittag gegessen und dann noch die Aussicht genossen. Nach einem kurzen Stopp am Alki beach ging es wieder auf die Fähre nach Hause. Der erste Koffer ist schon längst gepackt und auch der zweite ist heute gut gefüllt worden. Ich habe mich auch schon von einigen Freunden verabschiedet, was natürlich wie immer sehr tränenreich war. Ricky hat schon gesagt, dass ich so viel weine in letzter Zeit, dass ich einen Wasserpark versorgen könnte :D
Morgen ist auch sin mein letzter richtiger Tag hier in Poulsbo und ich möchte und kann es eigentlich gar nicht wahr haben. Am Anfang vergingen die Tage so zäh und langsam, dass ich dachte, dass dieses Jahr wohl nie enden wird, aber in der Mitte war plötzlich alles anders und ich kann mich noch allzu genau an den Countdown auf meinem Handy erinnern, der 160 Tage angezeigt hat und hier sitze ich jetzt mit einem Tag... Ich habe so viele wunderschöne Erfahrungen und Erinnerungen gesammelt und bin so froh, dass meine Mutter mir dieses Jahr ermöglicht hat. Ich habe nicht nur eine neue Sprache fließend sprechen gelernt und dafür Deutsch vergessen, nein ich bin auch persönlich gewachsen, habe gelernt Probleme ins Auge zu schauen und alleine zu lösen und Freunde fürs Leben gefunden. Auch, wenn nicht alle Erfahrungen immer positiv waren, ich habe alles gemeistert und das ohne die Hilfe von meiner Mutter. Ich bin selbstständiger geworden und auch selbstsicherer. Endlich kann ich meine Kinokarte alleine kaufen :D Mama weiß wovon ich rede :D Eine Freundin hat gesagt, dass es sich komisch anfühlt sein zuhause zu verlassen um nach Hause zu fahren... Damit hat sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Auch, wenn ich mir am Anfang gesagt habe, dass das hier niemals mein zuhause werden könnte, bin ich jetzt traurig und nicht wie erwartet froh, dass es bald wieder nach Deutschland geht. Ich muss mein neues Leben hier zurücklassen, das ich mir in den 10 Monaten so mühevoll aufgebaut habe. Der erste Schultag, an dem ich mich wie ein hilfloses Reh im Scheinwerferlicht eines LKWs gefühlt habe, meine ersten Versuche Englisch zu reden und alle haben mich ermutigt und gesagt, dass mein Englisch ja schon sehr gut sei und ich mir keine Sorgen machen sollte, der erste Schulball, wo alle so komisch getanzt haben und ich kein Gesicht kannte, meine ersten Tage in der neuen Familie, die sich dann als nicht so toll herausstellte und ich mich eine neue Familie gesucht habe,... Ich könnte wahrscheinlich die nächsten Seiten noch so weiter machen, aber ihr habt ja alle meinen Blog verfolgt und wisst wie es mir ergangen ist.
Ich rate jedem, der die Möglichkeit hat ein Jahr im Ausland zu verbringen es auch zu tun egal wie groß die Bedenken sind. Ich glaube meine Mutter würde mir zustimmen, dass ich überhaupt nicht nach Amerika wollte und am liebsten zuhause geblieben wäre! Ich hatte Angst, dass meine Freunde mich vergessen und ich nur ein Jahr meines Lebens verschwende, aber selbst, wenn es euch nicht so gut gefällt, wie die Organisation es euch verspricht, es wird eines der besten und definitiv das aufregendste Jahr eures Lebens werden. Ihr wisst nie was als nächstes passieren wird oder wem ihr als nächstes begegnet... Ich gebe ehrlich zu, dass dieses Jahr nicht so war, wie ich es mir gedacht und auch erhofft hatte, aber trotzdem sitze ich jetzt hier vor meinem Computer und würde am liebsten meine Koffer wieder auspacken und einfach hier bleiben. Man kann es sich schlecht vorstellen, wenn man noch nie so ein Jahr im Ausland verbracht hat, aber man baut Verbindungen auf und gerade am Ende hat man einen Freundeskreis und so viele andere Sachen gefunden, die einem ans Herz gewachsen sind. Zehn Monate sind so schnell vorbei und ich rate jedem dem diese Chance geboten wird, sie zu nutzen und das beste daraus zu machen. Klar jeder hat mal einen schlechten Tag und Heimweh, oder wie ich schlechte Monate in denen er nur noch nach Hause möchte, aber es wird das Abenteuer eures Lebens!!!
In diesem Sinne: Vielen Dank Mama, dass du mir das alles ermöglichst hast <3
Samstag geht dann mein Flieger nach San Francisco und Mama, Uwe und ich verbringen dort noch ein paar Tage, bevor es Dienstag endgültig nach Hause geht. Der nächste Eintrag folgt :D




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen